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Die LEV Gymnasien nimmt Stellung zum Thema Unterrichtsqualität
Reduzierung von Unterrichtsausfall

Statistische Daten zu allen Arten von Unterrichtsausfall müssen detailliert erhoben und die Ergebnisse transparent gemacht werden. Über die Konsequenzen ist innerhalb der Bildungsgremien zu diskutieren. Ersatzunterricht durch lokale Lehrkräfte sollte durch Senkung der Unterrichtsverpflichtung erleichtert bzw. durch Einstellung ausreichend vieler Lehrkräfte und „Feuerwehrlehrer“ vermieden werden

Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Gymnasiallehrern

Die Attraktivität des Lehrerberufs im Saarland muss im Sinne nachhaltiger Bildungsentwicklung überprüft werden. Besoldung, Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und Respekt für Lehrkräfte sind ausschlaggebend für die Wettbewerbsfähigkeit des Saarlandes.

Stärkung der Rolle der Lehrkraft

Die Rolle der Lehrkraft als Autorität im Sinne von Taktgebung und Lenkung des Unterrichtsgeschehens ist zu stärken und bleibt Voraussetzung für effektives und effizientes Lernen.

Ausgewogene Kompetenzorientierung

In Bezug auf die Kompetenzorientierung sollte die von den Lehrkräften erwartete Lernprozessdiagnostik in Aus- und Fortbildung geeignet vorbereitet und durch ausreichende Ressourcen ermöglicht werden. Die Balance zwischen vermitteltem Fachwissen und Anwendungskompetenzen muss gewahrt bleiben. Die LEV Gymnasien fordert die Erweiterung der Lehrplankommissionen um Elternvertreter.

Effektive Rhythmisierung

In Anerkennung der unterschiedlichen Bedürfnisse saarländischer Familien sollte sowohl Ganz- als auch Halbtagsunterricht angeboten werden. Der Einsatz von Doppelstunden ist schrittweise auszubauen.

Überarbeitung des Klassenfahrtenerlasses

Die LEV Gymnasien fordert eine Überarbeitung des Erlasses zum Thema Klassenfahrten von 2016. Die Elternvertreter loben Ansätze zur innerschulischen Strukturierung und Kostenbegrenzung. Jedoch gehen Regelungen wie die Kostenneutralität von Wandertagen und neue Einschränkungen bei längeren sportlich oder kulturell ausgerichteten Fahrten an der Wirklichkeit schulischen Lebens vorbei.

Überprüfung der Unterrichtsmethoden

Neue Unterrichtsmethoden sollten bewusst, ausgewogen und ihrer Komplexität angemessen vorbereitet und begleitet werden. Die Quellensuche bei der Vorbereitung von Referaten muss besser unterstützt werden. Der Sportunterricht sollte im Sinne nachhaltiger Motivation gestärkt, neu ausgerichtet und um mindestens eine Schulstunde erweitert werden. Sportunterricht muss in Doppelstunden abgehalten werden. Lehrpläne müssen um den Themenbereich „neue Medien“ als neue zentrale Kulturtechnik erweitert werden. Der Einsatz digitaler Medien als technische Hilfsmittel im Unterricht ist auf seine Effektivität zu prüfen und durch Ausstattung der Schulen und Fortbildung der Lehrkräfte zielgerichtet vorzubereiten.

Überarbeitung des Leistungsbewertungserlasses

Bei der schulischen Leistungsbewertung sind Reliabilität, Objektivität und Validität verschiedener Bewertungsverfahren zu überprüfen. Mündliche Prüfungen sollten mit Zurückhaltung eingesetzt werden. Eine ausreichend große Zahl klassenweiter schriftlicher Leistungskontrollen zur Analyse des Lernstandes der ganzen Lerngruppe sollte erhalten bleiben. Die LEV Gymnasien erinnert an die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit dem 2017 veröffentlichten Leistungsbewertungserlass am Ende der Probephase vor den Sommerferien 2018. Eltern-, Lehrer- und Schülervertretung sind in die Überprüfung und Überarbeitung mit einzubeziehen.

Keine Benotung der Persönlichkeit

Die Förderung von Sozial- und Personalkompetenzen betrachten die Elternvertreter als Teil des Bildungsauftrags. Auf die Benotung dieser Kompetenzen sollte mangels zuverlässiger Bewertungsmaßstäbe verzichtet werden. Die Schüler sollten schrittweise und altersgemäß an selbstständiges und organisiertes Arbeiten herangeführt werden. Besonders in der Oberstufe sollten individuelle Arbeitstechniken verstärkt gefördert werden, um Studium und Ausbildung zielgerichtet vorzubereiten.

Regelmäßige Qualitätskontrolle

Die LEV Gymnasien erinnert an weitere wichtige Fragen der Schulqualität, die als Maßstab für das bestehende System bzw. eventuelle Neuorientierung gelten sollten, wie Begabtenförderung, außerunterrichtliche Übung und Vertiefung, politische Bildung und Demokratieerziehung, Wahlunterrichtsangebote, inner- und außerschulisches Engagement usw.. Der im Schulordnungsgesetz beschriebene Auftrag des Schulsystems ist regelmäßig auf seine Umsetzung im Rahmen gesellschaftlicher Wandlungsprozesse zu überprüfen

Erweiterung des Ganzjahreszeugnis

Das Ganzjahreszeugnis sollte einen Notenüberblick über das ganze Jahr (zwei Halbjahres- und eine Ganzjahresnote pro Fach) enthalten. Die Wirksamkeit von Klassenwiederholungen muss analysiert und das Ergebnis in Handlungsanweisungen umgesetzt werden.

Schullaufbahnempfehlung und Beratungsgespräch

Die Kombination aus Elternentscheidung und unverbindlicher Schullaufbahnempfehlung halten die Elternvertreter für zielführend, eventuell ergänzt um ein verpflichtendes Beratungsgespräch vor Aufnahme an einem Gymnasium bei fehlender Empfehlung.

GOS mit mehr Auswahl

Für die Einführungsphase der GOS empfehlen die Elternvertreter die freie Auswahl der abwählbaren Fremdsprache. In der Hauptphase der GOS sollte Ethik als Neigungsfach gewählt werden dürfen. Die Etablierung eines zweistündigen Basiskurses Geschichte würde eine spezifischere Ausrichtung des Unterrichts in anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern erlauben. Inhalt und Anspruch des Seminarfaches sollten genauer spezifiziert werden. Die LEV Gymnasien erinnert ausdrücklich an die versprochene Erweiterung der E-Kurse um naturwissenschaftliche und gesellschaftswissenschaftliche sowie mögliche weitere Fächer (z.B. bei Profilschulen).

Angleichung bundesweiter Abiturprüfungen

Im Sinne bundesweiter Vergleichbarkeit fordert die LEV Gymnasien eine Reduzierung der Abiturprüfungen von fünf auf vier Prüfungen. Eine verpflichtende mündliche Nachprüfung bei Abweichung von der Vornote lehnen die Elternvertreter ab. Die Qualitätskontrolle für schriftliche Abiturprüfungsaufgaben sollte weiter optimiert werden. Die Korrektur aller Abiturklausuren soll aus Gründen der Fairness und Vergleichbarkeit anonymisiert werden.

Bessere Absprachen Schule – Hochschule

Bedingungen der Studierfähigkeit von Abiturienten müssen durch direkten Austausch mit den Hochschulen und Analyse ihrer Erwartungshaltungen geklärt werden. Die Studierfähigkeit der Gymnasiasten soll durchgehend im Fokus gymnasialer Bildung stehen und aktuellen Erkenntnissen entsprechend gefördert werden.

Pragmatik bei der Schulzeitlänge: G8 oder G9?

Die Landeselternvertretung der Gymnasien plädiert für einen Umgang mit politischen Fragen der Schulform (z.B. G8 oder G9), der angestrebte Ideale ebenso in den Blick nimmt wie Einschätzungen zur Machbarkeit und Haltungen zu den gewünschten Lebensformen der betroffenen Familien. Ein paralleles Angebot von G8 und G9 innerhalb des Saarlandes oder sogar in Form von Schulzweigen innerhalb saarländischer Gymnasien lehnen die Elternvertreter ab.

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