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Gymnasiale Oberstufe

Zustand: Die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) setzen die Rahmenbedingungen für die gymnasiale Oberstufe und die Abiturprüfungen in allen deutschen Bundesländern. Die Variationsmöglichkeiten innerhalb dieser Grenzen sind aber so groß, dass es zu messbaren Niveauunterschieden bei den Abschlussprüfungen und damit zu Ungerechtigkeiten bei der Studienplatzvergabe kommt. Neue Beschlüsse der KMK und Kritik an Details der heutigen GOS (Gymnasialen Oberstufe des Saarlandes) machen regelmäßige Anpassungsschritte nötig.

Analyse:

Einführungsphase: Bei drei gewählten Fremdsprachen darf zurzeit in Klasse 10 die dritte Fremdsprache nicht abgewählt werden. Viele Schüler, die der Belastung durch drei Fremdsprachen entgehen, gleichzeitig aber nicht auf die Weltsprache Englisch verzichten wollen, wählen als Konsequenz Französisch ab. Dies steht im Widerspruch zur Frankreichstrategie des Saarlandes.
Hauptphase:

  1. Das Ersatzfach für Religion (Ethik oder Philosophie) darf zurzeit nicht zum Neigungskurs aufgewertet werden, obwohl die KMK dies vorsieht. Diese Ungleichbehandlung erscheint nicht mehr zeitgemäß.
  2. Durch die nötige Reduzierung der Wochenstundenzahl von G-Kursen von derzeit 4 auf 3 ergibt sich Spielraum für einen dritten E-Kurs sowie einen zusätzlichen Basis-Geschichtskurs.
  3. Eltern kritisieren die sehr unterschiedlichen Ausprägungen des Seminarfachs an saarländischen Gymnasien.
  4. Die reduzierte Auswahl der E-Kurse – ursprünglich geplant zur Betonung einer vertieften Allgemeinbildung – hat hinsichtlich der Studienvorbereitung die Erwartungen nicht erfüllt.

Abiturprüfung: Das Saarland mutet seinen Schülern mit vier schriftlichen und einer mündlichen Abiturprüfung und ohne eine wesentliche Einbeziehung besonderer Lernleistungen eine der anspruchsvollsten Abiturprüfungen in Deutschland zu. Obschon ein hohes Niveau des Abiturs im Interesse der Eltern liegt, gibt es berechtigte Sorge vor Nachteilen im Wettbewerb um Studienplätze. Immer wieder wird Kritik an der Qualität der Abiturprüfungsaufgaben laut.

Forderungen: Die detaillierte Stellungnahme der LEV Gymnasien zur GOS kann hier heruntergeladen werden. Die Forderungen sind im Folgenden kurz zusammengefasst und erweitert.

→ Einführungsphase: Freie Auswahl der abwählbaren Fremdsprache in Klasse 10
→ Hauptphase: Gleichbehandlung für Religion und Ersatzfach
→ Hauptphase: Geschichte als zweistündiger Basiskurs für Schüler, die Geschichte nicht als E- oder G-Kurs wählen → spezifischere Ausrichtung des Unterrichts in den anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern durch Verzicht auf verpflichtende geschichtliche Anteile
→ Ausweitung der E-Kurs-Wahl auf alle Fächer
→ Genauere Spezifikation und Vergleichbarkeit des Seminarfachs; eventuell Einführung eines eigenständigen Faches zur Berufsvorbereitung (nach bayerischem Vorbild)
→ Reduzierung der Zahl der Abiturprüfungen von fünf auf vier nach dem Vorbild andere Bundesländer
→ Keine verpflichtenden mündlichen Abweichprüfungen
→ Überprüfung der Qualitätskontrolle bei schriftlichen Abiturprüfungsaufgaben
→ Anonymisierte Korrektur aller Abiturklausuren

Abiturprüfungen in den Bundesländern (Stand 2016)
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Die Abiturprüfung im Saarland erscheint mit vier schriftlichen und einer mündlichen Prüfung (und ohne die besondere Lernleistung als Ersatz einsetzen zu können) im Vergleich der Bundesländer besonders anspruchsvoll. 

Vorschlag der LEV Gymnasien: Die Zahl der Prüfungen sollte entsprechend der Vorgaben der KMK und der Handhabung in etlichen anderen Bundesländern auf insgesamt vier (drei schriftliche, eine mündliche) reduziert werden. Für den Fall, dass im Saarland fünf Abiturprüfungen erhalten bleiben, sollte eine davon durch eine besondere Lernleistung ersetzt werden können, wie in den meisten anderen Ländern üblich. Mündliche Nachprüfungen sollten freiwillig oder nur bei Gefahr des Nicht-Bestehens erfolgen.

Auswahlmöglichkeiten für Vertiefungen in den Bundesländern (Stand 2016)
2016-abiturpruefungen-ekurse

Die Vorgaben der Bundesländer für die Anzahl und die Auswahl von E- bzw. Leistungskursen gehen stark auseinander. Im Saarland sind zwei fünfstündige E-Kurse aus einer Gruppe von drei Aufgabenfeldern zu wählen.

Vorschlag der LEV Gymnasien: Die LEV Gymnasien schlägt einen Kompromiss zwischen vertiefter Allgemeinbildung und individueller Schwerpunktsetzung vor. Es sollten drei fünfstündige E-Kurse gewählt werden, bei denen zwei wie bisher aus der Menge (DE,MA,FS) stammen müssen. Ein zusätzlicher E-Kurs zur Profilbildung kann aus der Menge aller Fächer stammen. Zur Abiturprüfung wird dann einer der E-Kurse zum G-Kurs abgestuft.

Vorschlag der LEV Gymnasien für eine neue Kursauswahl in der Oberstufe
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Unser Vorschlag ist darauf ausgerichtet

  1. möglichst nah am vorhandenen System GOS zu bleiben, um die Umstellungsarbeit in Grenzen zu halten (dabei ist die ab 2019 verpflichtende maximale Dreistündigkeit der G-Kurse vorweggenommen),
  2. der vertieften Allgemeinbildung durch die Wahl von zwei E-Kursen aus den Kernfächern zu dienen und
  3. die individuelle Schwerpunktsetzung durch freie Wahl eines dritten E-Kurses zu erlauben in Kombination mit der Möglichkeit, einen der drei E-Kurse vor der Abiturprüfung zum G-Kurs abzustufen. 

Die vorliegenden 19 Wahlmodelle zeigen mit den gelb markierten Feldern jeweils die Aufgabenfelder, aus denen E-Kurse kombiniert werden können. Aus den Pflichtbereichen muss jeweils ein Kurs belegt werden. Ist als Gesellschaftswissenschaft NICHT Geschichte gewählt, muss dieses Fach außerdem noch als zwei- oder dreistündiger Kurs belegt werden. Die noch übrigen Reststunden bis zu einer Wochenstundenzahl von 34 können beliebig aus dem Angebot der Schule belegt werden.

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Quellen:

Zur Situation des Ethikunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland – Bericht der Kultusministerkonferenz vom 22.02.2008, Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, 2008