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Themenseite Inklusion

Das Thema Inklusion besitzt auch für Gymnasien eine hohe Relevanz. Aussagekräfte Zahlen aus der Schülerschaft liegen zwar nicht vor, aber bei einer Befragung unter Studierende gaben 2016 etwa 11% an, eine gesundheitliche Beeinträchtigung zu haben, die sich erschwerend auf das Studium auswirkt. 2012 besaßen 8% einen Schwerbehindertenausweis. Es ist davon auszugehen, dass in jedem schulischen Kontext das Thema Behinderung eine wesentliche Rolle spielt und der Umgang mit Barrieren für die Betroffenen oft weitreichende Konsequenzen hat. Die LEV Gymnasien stellt auf der vorliegenden Seite und in der herunterzuladenden Stellungnahme die Haltung der Elternvertreter zum Thema Inklusion vor.

Die Elternvertreter betonen, dass die zunehmende Einforderung berechtigter (und im Einzelfall auch unberechtigter) Ansprüche an die Schule Schulverwaltung und Lehrkräfte vor große Herausforderungen stellt. Die LEV Gymnasien plädiert dafür, den Schulen mehr Zeit und externe Fachkräfte zur Verfügung zu stellen, damit die besonders beim Thema Inklusion notwendige Partnerschaft zwischen Schule und Elternhaus gelingen kann. Es ist bekannt, dass Schulen, die eine intensive Beratung anbieten, den Aufbau konstruktiver Beziehungen erleichtern. Investitionen in zeitliche, bauliche und fachliche Ressourcen im Bereich schulischer Inklusion sind als Präventionsmaßnahmen anzusehen, die es nachkommenden Generationen erleichtern können, ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben zu führen.

———– BAUSTELLE ———— IM AUFBAU ———————

Grundlagen

Rechtliche Grundlagen
  • Verbot der Benachteiligung: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden (Grundgesetz, Artikel 3).
  • Gebot der Veränderung: Die sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen und Faktoren müssen sich verändern, um dem behinderten Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen (Behindertenrechtskonvention)
  • Behinderung: Als Behinderung gelten langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen (Behindertenrechtskonvention)
  • Anhörungspflicht: Eltern und volljährige Schüler sind vor Erlass des Verwaltungsaktes (z.B. Anerkennung einer Behinderung) anzuhören (§ 28 VwVfG)
  • Akteneinsicht: Eltern haben Recht auf Akteneinsicht bzw. Bezug von Kopien aus der Schülerakte (Art. 6 S. 1 GG)
  • Recht auf Beistand: Eltern können sich durch einen Bevollmächtigten vertreten lassen oder einen Beistand zu Besprechungen mitnehmen (§ 14 I VwVfG)
  • Schriftlichkeit: Verwaltungsakte sind schriftlich zu übermitteln und umfassend zu begründen (§ 39 I VwVfG). Ohne Rechtsbehelfsbelehrung gilt eine Einspruchsfrist von einem Jahr.
Konsequenzen für die Gymnasien
  • Berücksichtigung von Behinderungen im Schulalltag
  • Berücksichtigung von Behinderungen bei Prüfungen
  • Ausgleichsmaßnahmen nicht nur bei schwerwiegenden, sondern bei allen (für den Schulkontext nicht völlig belanglosen) Behinderungen
  • Barrierefreie Bildungseinrichtungen und barrierefreie Wissensvermittlung
  • Einbindung von Eltern (und ihren Bevollmächtigten) in den Entscheidungsprozess

Behinderung im Schulalltag

Herausforderungen
  • Gefahr der Unterschätzung der Folgen fehlender Unterstützung
  • Gefahr des Akzeptierens eines „ausreichenden“ Zurechtkommens behinderter Schüler
  • Mangel an zeitlichen Ressourcen für individuelle Betreuung
  • Mangel an fachlichen Ressourcen (Wissen über Behinderungen)
  • Hinderliche Normalitätserwartungen
  • Erhöhte Gefahr von Ausgrenzung und Mobbing
Konsequenzen aus Sicht der LEV Gymnasien
  • Notwendigkeit der Entwicklung schulischer Inklusionskonzepte
  • Notwendigkeit zusätzlicher Zeit für Teamwork und für individuelle Interventionen
  • Notwendigkeit von Fortbildungen
  • Notwendigkeit intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema „Behinderung“ zur umfassenden Perspektivenänderung
  • Notwendigkeit eines niederschwelligen Zugangs zu Expertenwissen und Expertenzeit

Behinderung in Prüfungssituationen

Einschränkung von Fähigkeiten, die außerhalb der zu prüfenden Leistungen liegen

Die LEV Gymnasien fordern folgende Handhabung:

  • Keine Veränderung der fachlichen Prüfungsanforderungen
  • Anpassung der Prüfungsbedingungen, so dass eine materielle Gleichheit mit gesunden Schülern hergestellt wird
  • Keine Bemerkung im Abschlusszeugnis
  • Beispiel: motorische Probleme beim Schreiben mit der Hand
Einschränkung von Fähigkeiten, die die zu prüfenden Leistungen berühren

Der Umgang mit Leistungseinschränkungen inhaltlicher Art hängt nach Meinung der LEV Gymnasien von zwei Fragen ab, die im individuellen Fall beantwortet werden müssen:

Sind die nicht prüfbaren Kulturtechniken anderweitig kompensierbar?
Beispiel: Software zur Rechtschreibkorrektur

Ist ein Erfolg im anvisierten Bildungsgang trotz der Einschränkungen wahrscheinlich?
Beispiel: Verzicht auf die Sportnote bei schwerer körperlicher Beeinträchtigung

Können beide Fragen mit „ja“ beantwortet werden, kann nach der Meinung der LEV Gymnasien auf etliche Prüfungsleistungen verzichtet werden. Ein Vermerk im Zeugnis ist in diesem Fall notwendig.

Diagnose und Anerkennung einer Behinderung

Die LEV Gymnasien spricht sich aus für ein gerechtes Verfahren, das die persönlichen Daten der Betroffenen so weit wie möglich schützt. Die Routinen dafür sollen klar festgelegt und transparent allen Betroffenen zugänglich gemacht werden. Die Elternvertreter plädieren für eine Trennung der Zuständigkeiten:

Hinweise durch Eltern, Schüler oder Lehrkräfte
Diagnose durch Fachärzte und Schulpsychologen
Grundlagen: ICD, Leitlinien, Landesrecht
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Übermittlung relevanter (Teil-)Informationen an die Schule
Weitergabe der Daten innerhalb der Schule nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen
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Verpflichtung der Schule zur Anerkennung diagnostizierter Behinderung
Anerkennung unabhängig vom aktuellen „Schulerfolg“

Festlegung eines Nachteilsausgleichs

Die Diagnose einer Behinderung zieht nicht automatisch die Festlegung eines Nachteilsausgleichs nach sich. Umgekehrt genügt für die Festlegung eines Nachteilsausgleichs eine ärztlich attestierte chronische Krankheit, Behinderung oder zeitweilige Beeinträchtigung. Aufgrund der Komplexität und Relevanz der Entscheidungen plädiert die LEV Gymnasien für die Festlegung grundlegender Rahmenbedingungen im Landesrecht. Der Ablauf des Verfahrens muss klar geregelt und für alle Beteiligten transparent sein. Die Elternvertreter schlagen vor:

Festlegung von Nachteilsausgleichen durch Schulpsychologen
nach Anhörung von Eltern, Schülern, Lehrkräften und Ärzten
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Übermittlung bindender Entscheidungen zum Nachteilsausgleich an die Schule
Vermeidung der Diskussion medizinischer oder psychologischer Details bei Klassenkonferenzen
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Verpflichtung der Schule zur Anerkennung und Berücksichtigung festgelegter Nachteilsausgleiche
Grundrechtsausübungsverzicht nur im Notfall und durch die Betroffenen
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Eine detaillierte Handlungsempfehlung für Eltern und Erziehungsberechtigte ist im Aufbau.

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Quellen

Deutsches Studentenwerk: Sondererhebung BEST – beeinträchtigt studieren, 2012

E. Middendorff, B. Apolinarski, K. Becker, P. Bornkessel, T. Brandt, S. Heißenberg, J. Poskowsky: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2016. 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks – durchgeführt vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), 2017.